Kaiserstühler Rebhütten erhalten

Erhalt unserer Rebhütten als Kulturgut und Beitrag zum Vogelschutz – ein Projekt des Naturzentrums Kaiserstuhl

Leise aber stetig verabschieden sich die Rebhütten aus unserer Landschaft. Kaum zu glauben, aber allein in Ihringen gab es ab den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts vermutlich noch an die 800 – 1000 Stück, heute sind es vielleicht noch 150 – 200. Um eine weitere Rebhütte vor dem Zerfall zu retten, haben sich Gerhard und Sebastian Karle mit Roland Birmele und Birgit Sütterlin zusammengetan. In einer Samstagsaktion wurde im März eine gemeindeeigene Rebhütte auf dem Ihringer Fohrenberg renoviert. Allerlei hatte sich in der Hütte angesammelt, was entsorgt wurde. Das von Wind und Wetter zerstörte Dach wurde durch ein stabiles Blechdach ersetzt, die Bretter wurden festgenagelt und die Tür gerichtet. Ein selbstgebautes Vogelhäuschen für Meisen, Kleiber oder Sperling wurde ergänzt. So finden nun sowohl Vögel Schutz für ihre Vogelkinder, als auch Menschen Schutz vor Regen, die den Winzerrundweg West erwandern.

Die klassische Kaiserstühler Rebhütte (alemannisch: Rebhitte, Rebhidde oder Rebhisli) nimmt meist nicht mehr als 2 mal 2 Meter Grundfläche ein, ist fast nur mannshoch und mit einem leicht geneigten Flachdach aus Blech gedeckt. Daran befestigt eine Regenrinne von der ein Regenfallrohr in eine innen gelegene, unterirdisch gemauerte Zisterne, führte. Diese konnte bis zu tausend Liter Wasser fassen. Vier Pfosten aus widerstandsfähigem Akazien-oder Eichenholz bilden die Ecken, an den Wänden wurden Schwartenbretter angebracht. Ein oberirdischer Trog ist oft der einzige heute noch sichtbare Einrichtungsgegenstand im Inneren. So diente in früheren Zeiten die Rebhütte mit ihrer Zisterne zum Spritzen der Reben gegen den Mehltau und auch als Unterstand für die Winzerinnen und Winzer. Der Kaiserstuhl ist nicht nur ein berühmtes Weinbaugebiet, sondern seit 2007 auch eines der 5.500 Europäischen Vogelschutzgebiete. Er ist das bedeutendste Brutgebiet für Bienenfresser, Schwarzkehlchen und Wiedehopf in Baden-Württemberg, eines der wichtigsten Brutgebiete für Baum-, Wanderfalke, Wendehals und Zaunammer. Dieser Schutzstatus erfordert verschiedenste Maßnahmen zum Erhalt gefährdeter Vogelarten und deren Lebensräume. Das gilt vor allem bei Flurneuordnungsmaßnahmen, da hier wertvolle Lebensräume und Brutstätten verloren gehen können. Seit einiger Zeit wird die Flurneuordnung durch ökologische Beratung begleitet. Spezielle Gutachten legen dabei fest, wie und wo die Fauna und Flora erhalten werden muss und welche Ausgleichsmaßnahmen erforderlich sind. An geeigneten Stellen werden neue einfache Hütten aufgestellt, in denen Nistkästen dem Wiedehopf und anderen Höhlenbrütern neue Brutmöglichkeiten bieten. In Ihringen im Gewann Schlichten oberhalb des Friedhofs wurde dies erfolgreich umgesetzt. (Text nach K. Brüning, C. Kantsperger-Lenk, B.Sütterlin).

Der Charme der alten Rebhütten bleibt jedoch unerreicht. Wir bitten Sie, die urigen Rebhütten als Heimat-und Kulturgut zu erhalten und den Vögeln eine Nistmöglichkeit zu ermöglichen.

Info zum Naturzentrum Kaiserstuhl

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