Leserzuschrift, Ausgabe 02/2023

Naturlandschaften, Kulturlandschaften und Kohlendioxid

Unser Schwarzwaldverein hat ein neues Positionspapier „Klimaschutz und Energiewende in unserer Kulturlandschaft“ Anfang dieses Jahres verabschiedet und sieht sich jetzt als „Partner zum Gelingen der Energiewende“.

In der vorangegangenen Ausgabe 02/2023 dieses Magazins fragt der Autor des Artikels „Kulturlandschaft und Klimaschutz“ die Leserschaft „war das notwendig“ bzw. „hätt des jetzt misse si ?“ Auf zwei Seiten legt er seine diesbezüglich bejahende Sicht dar und hält ein Plädoyer für die Energiewende, verbunden mit dem Appell, eigenes Handeln und Aktivitäten auf den Prüfstand der Klimaverträglichkeit zu stellen.

Der Klimawandel ist jetzt das große weltumspannende Thema, ein gemeinsames Verständnis der Weltbevölkerung für das globale Problem, das jeden von uns angeht, wird geschaffen. Wer hat hierbei die absolute Deutungshoheit und welche Motive liegen möglicherweise dahinter? Der „Weltklimarat“ ist der sogenannte IPCC – Intergovernmental Panel und Climate Change – ein zwischenstaatlicher Ausschuss und somit eine politische Institution – keine Naturwissenschaftliche! Er nahm seine Arbeit 1988 unter dem Dach der UNO auf. Die Sachstandsberichte der für diesen IPCC arbeitenden Wissenschaftler sind die Ergebnisse seiner Arbeit. Inzwischen ist er eine Weltmacht und hat die Deutungshoheit in Sachen Klima und Wandel.

Es wäre schlichtweg falsch zu glauben, es gäbe eine einhellige Meinung aller Wissenschaftler, welche die Richtigkeit der These des CO² als klimaveränderndes Treibhausgas bestätigten. Im Gegenteil, es gibt Petitionen und Allianzen von Wissenschaftlern zuhauf, die ihre andere Sichtweise hierzu belegen. Völlig untergegangen in unseren Leitmedien ist beispielsweise der Prozess des Erfinders der „Hockey-Schläger-Kurve“, Michael Mann, der den exponentiellen Temperaturanstieg bei fortlaufender CO² Freisetzung in seinen Computermodellen graphisch illustrierte. Im August 2019 entschied das höchste Gericht in British Columbia, Kanada, nach jahrelangem Prozessieren zugunsten seines Widersachers und Klimaforschers,Tim Ball, da Mann es versäumte, dem Gericht trotz mehrfacher Aufforderung seine wissenschaftlichen Daten für seine Computermodelle zu liefern. Genau diese Graphiken in den Klimamodellen mit den abgeleiteten Vorhersagen sind die Grundlage für die These des menschengemachten Klimawandels. Keine Wort in unseren Medien hierüber.

Die NOAA – die National Oceanographik and Atmospheric Administration – macht über lange Zeiträume Gezeitenmessungen und überprüft an Hand ihrer Messdaten den Meeresspiegel an den Küsten. Die längste Aufzeichnung von NOA-Gezeitenmessungen zum Anstieg des Meeresspiegels an der Küste befindet sich in New York an der Battery mit einer 160-jährigen Aufzeichnung. Sie offenbart einen gleichmäßigen Anstieg des Meeresspiegels von 11 Zoll / Jahrhundert, also 28 cm pro Jahrhundert. An anderen Küstenorten gemessene Werte ergeben ebenfalls moderate und gleichmäßige Anstiege des Meeresspiegels, Werte zwischen 10 cm und 23 cm / Jahrhundert. Quellen: www.tidesandcurrents.noaa.gov/sltrends.

Andere Studien zu Temperaturmessungen in der atmosphärischen Schicht in einer Höhe von ca. 10 km, die mit Satelliten durchgeführt wurden, zeigen einen Erwärmungstrend, den Wissenschaftler für die Troposphäre als Ganzes auf 0,14 Grad pro Jahrzehnt schätzen. Es sind Wissenschaftler der obengenannten NOAA, die diese Versuchsreihen durchführen und mit ihren empirischen Messungen zu dem Ergebnis kommen, daß „die Klimamodelle eine weit verbreitete Verzerrung der globalen Erwärmung aufzeigen“.

Meeresspiegel- und Temperaturmessungen deuten auf einen langsamen Übergang unseres Planeten zu einer Wärmeperiode hin, ein natürlicher Vorgang, wie er erdgeschichtlich in seiner Abfolge von Kaltzeiten und Warmzeiten immer wieder vorkommt. Vielleicht täte weniger Hysterie in Sachen menschengemachter Klimawandel und Durchpeitschen der erneuerbaren Energieträger uns allen, in allererster Linie der Natur, gut.

Wenn unser Problem CO² heißt, dann bedeutet dies folgendes: 0,04 % Anteile in der Luft, davon maximal 10 % menschenverursacht, weiterhin ein Anteil Deutschlands mit 1,85 % der Emissionen weltweit, ergibt einen CO² Beitrag durch unsere hierzulande lebenden und arbeitenden Menschen von 0,000074 % Anteile in der Atmosphäre. Dieser kaum messbare Anteil vor dem Hintergrund der ohnehin umstrittenen These überhaupt, wird zum Anlass genommen, über die Energiewende unsere Natur- und Kulturlandschaften „nachhaltig“ zu schädigen oder gar zu zerstören. Ohne CO² kein Leben, dies ist eine jahrhundertealte Lehrweisheit. Höhere Anteile von CO² , wie für vergangene Erdzeitalter gemessen, gehen einher mit verstärktem Pflanzenwachstum und höheren Sauerstoffwerten in der Atmosphäre. Vielleicht sollte man auch unsere Wälder wieder ganz deutlich als Sauerstoffproduzenten sehen und entsprechend würdigen, anstelle ihnen die Rolle der Kohlenstoffspeicher überdimensioniert zuzuschreiben. „In verarbeiteter Form besitzt Holz die Fähigkeit für Jahrzehnte Kohlendioxid zu binden“ so heißt es hier; die andere Sichtweise wäre: „in unverarbeiteter Form als prachtvoller Baum in einem intakten Ökosystem wird lebenswichtiger Sauerstoff produziert, eine ökologische Nische für Tierund Pflanzenarten geboten und darüber hinaus Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden“ . Bäume, wie alle anderen Pflanzen auch, reduzieren den CO² Gehalt in der Atmosphäre durch die Photosynthese. Wenn wir nicht innehalten mit der Carbonisierung unseres Denkens, in welchem zusehends Co² Bilanzen ein Hauptgewicht bekommen und unser individueller ökologischer Fußabdruck in unserem Lebensalltag zur entscheidenden Determinanten wird, geraten wir immer tiefer in ein geistiges Labyrinth. Wenn dann Holzgewinnung noch als Klimaschutzmaßnahme dargestellt wird, liefern wir noch die ideologische Rechtfertigung für eine ungeahnte Abholzung unserer Wälder, die bereits stattfindet, unsere Hölzer gehen größtenteils in den Export nach Übersee und sind für den Weltmarkt bestimmt.

Ein Anker im neuen Positionspapier ist die Überlegung, Energieversorgung muß mit Energieeinsparung einhergehen. Wir als Verbraucher, Konsumenten von Produkten und Dienstleistungen, Teilnehmer im Straßenverkehr, u.a., werden angehalten einen umweltschonenderen Lebensstil zu pflegen – eben „klimaverträglich“ . Nun, ändern wir mal die Perspektive und betrachten die Spielregeln unserer globalisierten Welt: Ein einziges großes Containerschiff mit 20.000 Containern Fracht auf dem Weg von China nach Hamburg verbraucht bei voller Fahrt pro Tag 350 Tonnen Schweröl. Schweres zähes Petroleum wird aus den Schornsteinen rausgeblasen. Über 80 % des weltweiten Handels wird von mehr als 90.000 Transportschiffen auf den Ozeanen der Welt mit einem Containervolumen von schätzungsweise 25 – 40 Millionen abgewickelt. Sowohl Verbrauch als auch Emissionen sind riesig. Auf dem Lande hat sich laut ADAC die LKW-Flotte seit den 80er Jahren verfünffacht. Die Zahl der Logistikdienstleister wächst und wächst, der Ausbau der flächenverschlingenden Infrastruktur schreitet voran. Der weltweite Siegeszug der PCs, die Serverfarmen und die damit verbundenen notwendigen Kühlleistungen setzen infolge der Stromproduktion mittlerweile mehr Emissionen frei als der weltweite Flugverkehr. Hinzu kommen die vollumfänglichen Streamingangebote und der gigantische weltweite Ausbau der 5 G Mobilfunktechnologie, 6 G in Vorbereitung. Betrachten wir noch die Militärmanöver und die weltweit geführten Kriege, so stoßen wir in puncto „Klimaschädlichkeit“ in Dimensionen vor, wo wir in der Tat unser ureigenes Handeln und „Verschulden“ hinterfragen können. Wäre es nicht folgerichtig, all diese Aktivitäten und Ereignisse in die große CO² Bilanz miteinfließen zu lassen, öffentlichkeitswirksam zu bilanzieren, zu gewichten und vor allem nachhaltige strategische Maßnahmen zu deren Verringerung zu beschließen ?

Unser Schwarzwaldverein hat „Naturschutz“ als zentrales Element in seinem Selbstverständnis. Er ist anerkannter Naturschutzverband und hat Möglichkeiten sich rechtliches Gehör zu verschaffen. Gewiss ist der Lauf der Dinge damit nicht aufzuhalten, aber die Authentizität als ernstzunehmender Anwalt unser Natur, also das aufrichtige Bemühen, unsere Natur- und Kulturlandschaften im Ringen mit den Forderungen der großen Politik zu verteidigen, wäre zweifellos gegeben. Mit dem jetzigen Positionspapier sehe ich diese Haltung als nicht mehr gegeben. Dem Autor in der letzten Ausgabe würde ich daher antworten wollen: „Das war nicht notwendig“ – oder alemannisch „ Nä, des hätt jetzt net misse si“.

Die Rolle der erneuerbaren Energien und deren Kontraproduktivität in Sachen Klimaschutz kann in diesem Artikel nicht beleuchtet werden, der Autor behält sich vor in einer der nächsten Ausgaben dieses Magazins diesbezüglich einen Bericht einzureichen.

Ralf Schipulle, OV Heidelberg, per Mail am 30.06.2023

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