Ungewöhnlicher Pilz im Kaiserstuhl

Spindelförmigen Riesen-Egerling, Foto: P. Lutz

Aufmerksame Frühjahrs-Wanderer im Kaiserstuhl haben bei Kiechlinsbergen (Ortsteil von Endingen im nördlichen Kaiserstuhl) einen seltenen Pilz entdeckt. Die auffälligen Hüte wuchsen am Fuße einer sonnigen, eher trockenen Rebböschung aus dem Löss hervor. Da Pilze im Frühjahr ungewöhnlich sind und er den Entdeckern unbekannt war, konsultierten sie den Fachmann der Hornberger Pilzschule, die ihn mit einiger Mühe bestimmen konnte.

Bei dem unförmig aussehenden Pilz handelt es sich um den Spindelförmigen Riesen-Egerling (wiss. Name: Agaricus bohusii). Er entpuppte sich damit als Verwandter des Wiesen-Champignons, ist im Gegensatz zu ihm aber nicht essbar. Der Pilz ist recht selten – bisher wurde er in Baden-Württemberg erst zweimal gefunden.
Die Suppenteller-großen Pilzschirme quellen dicht gedrängt an die Oberfläche. Für uns Menschen wird mit den gesprenkelten Hüten „nur“ das Fortpflanzungsorgan sichtbar. Der eigentliche Pilz lebt als feingliedriges Netz („Hyphen“) unterirdisch – weit verzweigt und verborgen vor unseren Augen. Dort durchziehen die Pilzfäden abgestorbenes, organisches Material, von dessen Zersetzung und Abbau die Pilze leben. Wenn sich so große Hüte bilden, muss sich recht viel modriges Pflanzenmaterial im Boden befinden.
Zur Fortpflanzung vereinigen sich die eher unscheinbaren Pilzhyphen zu dichteren Bündeln und drängen als arttypischer Pilzhut an die Erdoberfläche. An der Luft altern die Hüte recht schnell; anfangs sind sie weich und schwammartig, verlieren bald die Feuchtigkeit, trocknen aus und werden unansehnlich. In den Lamellen an der Hutunterseite reifen derweil die Sporen, die zu Abermillionen alsbald herausfallen, wo sie als feiner Staub vom Wind verweht werden, um an einem anderen Ort auszukeimen und einen neuen Pilz zu bilden.

Früher ordnete man die Pilze als ortsgebundene Lebewesen bei den Pflanzen ein, obwohl ihnen das grüne Chlorophyll der Blattpflanzen fehlt. Neuere Untersuchungen ergaben jedoch, dass sie neben den Tieren und Pflanzen ein ganz eigenes „Reich“ bilden. Allein in Deutschland soll es mindestens 12.000 Arten geben. Sie ernähren sich von fremdem, meist abgestorbenem Gewebe. Neben den Mikroorganismen sind sie die Zersetzer und führen die Nährstoffe von totem Material wieder in den ökologischen Kreislauf zurück.

Auch wenn man denkt, dass unsere Landschaft eigentlich gut erforscht ist, so kann man als aufmerksamer Beobachter interessante Neuentdeckungen machen. Es reicht aus, mit offenen Augen durch unsere Kulturlandschaft zu gehen, die erfreulich vielfältig ist und noch manche Überraschung bereithält!

Peter Lutz, hauptamtlicher Referent für Naturschutz beim Schwarzwaldverein e.V.

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